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Angst essen Seele auf:
ein Gastbeitrag von Peter Bofinger
Es ist wohl kein Zufall, dass „Angst“ eines der wenigen deutschen##|n##Wörter ist, das in der englisch Sprache vorkommt. Deutschland ist heute##|n##nicht nur das Land der Dichter und Denker, es wird immer mehr zum Land##|n##der Untergangspropheten und Angsthasen.
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##|n##Ein Gastbeitrag von Peter##|n##Bofinger.
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##|n##Wer glaubt, Angst mache den Menschen Beine und bringe sie dazu, wieder##|n##mehr zu leisten, der verkennt die Seele einer Marktwirtschaft. Diese##|n##Wirtschaftsordnung steht und fällt mit den Menschen, die Vertrauen in##|n##sich selbst und in die Zukunft ihrer Gesellschaft haben.
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  • Der Markt braucht Investoren, die bereit sind, ihr Vermögen##|n##einzusetzen und sich auch zu verschulden, um damit Mitarbeiter##|n##einzustellen und Produkte anzubieten, für die sie sich eine hohe##|n##Nachfrage versprechen.
  • Der Markt braucht Konsumenten, die spendierfreudig sind,##|n##weil sie davon ausgehen, dass sie auch in Zukunft mit ihrer##|n##Arbeitskraft gutes Geld verdienen werden.
  • Der Markt braucht junge Menschen, die sich der Mühe einer##|n##qualifizierten Ausbildung unterziehen, weil sie darauf vertrauen, dass##|n##es Unternehmen geben wird, die ihnen später einmal einen entsprechend##|n##gut dotierten Arbeitsplatz anbieten.
  • Der Markt braucht schließlich auch Männer und Frauen, die##|n##Kinder in die Welt setzen, weil sie davon überzeugt sind, dass es##|n##diesen einmal besser gehen wird als der gegenwärtigen Generation. Nur##|n##so bleibt eine Gesellschaft jung und hält sich auch wirtschaftlich in##|n##Schwung.
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##|n##In einer Atmosphäre der Angst wird der Unternehmergeist gelähmt, die##|n##Konsumenten halten ihr Geld zurück, die Qualität der Ausbildung sinkt##|n##und die Gesellschaft wird alt und grau. Angst isst die Seele der##|n##Marktwirtschaft auf. Wirtschaftliche Dynamik wird sich deshalb in##|n##Deutschland nur dann wieder entfalten können, wenn es gelingt, aus der##|n##gefährlichen Spirale von Angst und Stagnation herauszukommen. Johannes##|n##Rau hat das in einer seiner letzten „Berliner Reden“ auf den Punkt##|n##gebracht: „Seit Jahren schon wird uns ein Bild immer wieder vor Augen##|n##gestellt: Wir stehen vor einem riesigen Berg von Aufgaben und##|n##Problemen. Wenn wir nicht alles anders machen als bisher, so drohen##|n##uns, heißt es, Niedergang, Zusammenbruch, Abstieg oder andere##|n##Katastrophen.“ Was folgt daraus? In den Worten von Rau: „Wo Vertrauen##|n##fehlt, regiert Unsicherheit, ja Angst. Angst vor der Zukunft ist der##|n##sicherste Weg, sie nicht zu gewinnen. Angst lähmt die##|n##Handlungsfähigkeit und trübt den Blick für das, was in Staat und##|n##Gesellschaft tatsächlich grundlegend verändert werden muss, was neuen##|n##Bedingungen angepasst werden soll und was auf jeden Fall bleiben muss.“##|n##
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##|n##Fehlendes Vertrauen macht Angst
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##|n##Die „Heuschreckendebatte“ hat verdeutlicht, wie sehr sich die Menschen##|n##in Deutschland vor dem Kapitalismus und der damit einhergehenden##|n##Globalisierung der Wirtschaft fürchten. Solche Ängste werden geschürt##|n##durch Unternehmer und Wissenschaftler, die Deutschland in den Talkshows##|n##als „Sanierungsfall“ bezeichnen, vergleichbar einem Unternehmen, das##|n##seine Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Gerne wird dabei auf die##|n##niedrigen Löhne in Osteuropa und China verwiesen, womit im Grunde zum##|n##Ausdruck gebracht wird, die Arbeitsleistung eines deutschen##|n##Arbeitnehmers sei überall in der Welt in gleicher Qualität, aber nur zu##|n##einem Bruchteil ihres Preises zu erhalten. Was die Medien bei diesen##|n##Darstellungen in der Regel unterschlagen, ist die Tatsache, dass##|n##deutsche Produkte überall in der Welt sehr stark nachgefragt werden und##|n##dass unsere Unternehmen dabei hohe Gewinne einfahren. Und das ist in##|n##erster Linie ein Verdienst der acht Millionen Arbeitnehmer, die in der##|n##deutschen Industrie beschäftigt und dabei offensichtlich hoch motiviert##|n##und leistungsstark sind. Die im Ausland durchweg bewunderte##|n##Exportdynamik der deutschen Wirtschaft zeigt: Wir haben keinen Grund,##|n##uns als Industriestandort vor der Globalisierung zu fürchten. Nichts##|n##belegt das eindrücklicher als die Scharen ausländischer Investoren, die##|n##derzeit nach Deutschland kommen, um hier ihr Geld zu investieren. Man##|n##kann es auch positiv formulieren: Wir profitieren wie kaum eine andere##|n##Volkswirtschaft von der Globalisierung. Ohne die massiven Nachfrage aus##|n##dem Ausland hätten sich Wachstum und Beschäftigung bei uns in den##|n##letzten Jahren noch deutlich ungünstiger entwickelt. Natürlich werden##|n##in den nächsten Jahren Arbeitsplätze in der Industrie wegfallen. Das##|n##ist ein unvermeidbarer Nebeneffekt des Strukturwandels von der##|n##Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, wie er in allen hoch##|n##entwickelten Ökonomien zu beobachten ist. In den letzten acht Jahren##|n##sind 600.000 Arbeitsplätze in der deutschen Industrie verloren##|n##gegangen, das sind rund sieben Prozent des Niveaus des Jahres 1996.##|n##Dieser Prozess wird sich fortsetzen, aber es ist gut zu wissen: In der##|n##Zeit von 2006 bis 2014 sind dann nicht 100 Prozent der noch vorhandenen##|n##rund 7,6 Millionen Industriearbeitsplätze bedroht, sondern insgesamt##|n##nur sieben Prozent.
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##|n##Ökonomie ist zu 50 Prozent Psychologie
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##|n##Es gibt viele Bereiche, in denen die deutsche Wirtschaft erheblich##|n##besser ist, als es in den Medien vermittelt wird. Die Flexibilität am##|n##Arbeitsmarkt ist nicht schlechter als in den anderen europäischen##|n##Ländern. Die Motivation unserer Arbeitnehmer ist hoch, denn die Zahl##|n##der Krankheitstage pro Arbeitnehmer liegt weit unter dem europäischen##|n##Durchschnitt. Internationale Befragungen bei Managern zeigen, dass der##|n##Standort Deutschland von seinen Angebotsbedingungen zu den besten in##|n##Europa gezählt wird. Völlig unangebracht ist es auch, wenn die##|n##Auslandsinvestitionen der deutschen Unternehmen dramatisiert werden.##|n##Sie sind – bezogen auf die Inlandsinvestitionen – erheblich geringer##|n##als in Frankreich, Großbritannien oder den Vereinigten Staaten. In den##|n##letzten Jahren sind unsere Auslandsinvestitionen zudem noch deutlich##|n##zurückgegangen. All das hat den Sachverständigenrat dazu bewogen, in##|n##seinem letzten Jahresgutachten explizit die „Erfolge im Ausland“##|n##herauszustreichen. Von Ludwig Erhard wissen wir: Ökonomie ist zu 50##|n##Prozent Psychologie. Erfolgreich kann eine Regierung nur sein, wenn es##|n##ihr gelingt, eine mentale Wende zu erreichen. Dazu gehört, dass sie##|n##eine objektive Analyse unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit##|n##vornimmt und damit den Menschen in Deutschland die Angst vor der##|n##Globalisierung und vor allem auch vor der europäischen Integration##|n##nimmt.
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##|n##Ein Ende der Angst wird zudem nur zu erreichen sein, wenn die Politik##|n##nicht alle unsere gewachsenen Strukturen in Frage stellt, sondern##|n##anerkennt, wie weit reichend unsere soziale Marktwirtschaft in den##|n##letzten Jahren bereits reformiert worden ist. Die Menschen waren##|n##bereit, ein hohes Maß an Veränderungen und an Sozialabbau zu##|n##akzeptieren, sie müssen deshalb jetzt wissen, wohin und wie weit die##|n##Reformfahrt noch gehen soll. Die für diese Reise Verantwortlichen sind##|n##dabei gut beraten, die kollektiven Sicherungsmechanismen nicht noch##|n##weiter abzubauen. Wer nicht mehr durch die sozialen Sicherungssysteme##|n##abgesichert ist, kann der eingeforderten Eigenverantwortung nur gerecht##|n##werden, indem er mehr spart. Und das ist Gift für die wirtschaftliche##|n##Dynamik. Wichtig ist, dass die Politiker den Menschen mehr als bisher##|n##deutlich machen, dass der Nationalstaat auch in einer globalen Welt##|n##handlungs- und gestaltungsfähig sein kann. Wie das Beispiel der##|n##skandinavischen Länder zeigt, sind selbst kleine Volkswirtschaften in##|n##der Lage, sich über Steuern und Abgaben die Mittel zu verschaffen, die##|n##man braucht, um ein hervorragendes Bildungssystem und eine sehr gute##|n##Infrastruktur zu finanzieren. Trotz eines viel höheren Staatsanteils##|n##als in Deutschland hat dies sich nicht etwa negativ, sondern positiv##|n##auf Wachstum und unternehmerische Aktivität ausgewirkt.
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##|n##Wir müssen damit aufhören, den Menschen in Deutschland Angst zu machen.##|n##Bei allen noch erforderlichen Reformen: Wir haben schon vieles bewegt##|n##und wir haben damit gute Gründe, auf die Strukturen, die Institutionen##|n##und die Menschen in unserem Land stolz zu sein und mit Mut und##|n##Selbstvertrauen in die Zukunft zu schauen.
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##|n##Peter Bofinger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der##|n##Universität Würzburg und seit 2004 als einer der fünf Wirtschaftsweisen##|n##Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der##|n##gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Publikationen Bofingers sind unter##|n##anderen „Wir sind besser, als wir glauben“ (2004) und „Grundzüge der##|n##Volkswirtschaftslehre“ (2003)
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